Henri (Jg. 11) in Louisburgh, Irland (Schuljahr 2023/24)

Vorbereitung

Vor meinem Aufenthalt habe ich an mehreren Videokonferenzen teilgenommen. Diese wurden von meiner Organisation veranstaltet und haben mich und die anderen Teilnehmer in verschiedenen Wegen auf den Austausch vorbereitet. In einer der Videokonferenzen haben wir unser Englisch für einige Situationen trainiert, die bald vorkommen könnten. In einer weiteren wurde uns konkreter beschrieben, wie es so in einer Gastfamilie sein wird und was von uns erwartet wird. Dies hat mir geholfen, da es viele Unklarheiten geklärt hat, wodurch ich weniger Angst vor dem Aufenthalt hatte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mit dem Packen schon früher als gedacht anfangen sollen hätte. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich vielleicht nicht meinen Taschenrechner und meine Kopfhörer vergessen. Die Reise lief ziemlich glatt. Meine Familie konnte mich noch bis zum Security-Check begleiten und meine Organisation hat mir zuvor die Nummer von einer anderen Austauschschülerin gegeben, mit der ich mich gleich getroffen habe. Am Security-Check musste mein Rucksack nochmal überprüft werden, da ich in meiner Federmappe eine kleine Schere hatte. Die Schere war zwar so klein, dass ich mit ihr aufs Flugzeug durfte, aber es wäre doch etwas einfacher gewesen, wenn ich darauf zuvor geachtet und die Schere in meinen Koffer gelegt hätte. Nach dem Flug warteten einige am Flughafen auf mich mit einem Schild, auf dem mein Name stand. Dort mussten wir dann noch eine Weile warten bis alle anderen Austauschschüler angekommen waren und wurden dann zu einem Bus begleitet, der mich zu meiner Gastfamilie gebracht hat.

Gastfamilie

Gleich nachdem mir die Daten meiner Gastfamilie zugeschickt wurden, habe ich mich bei ihnen per E-Mail gemeldet, um einen Termin festzulegen, an dem wir telefonieren. Da habe ich mich ihnen dann vorgestellt und nach meinem Zimmer, dem Ort etc. gefragt. Als Gastgeschenk habe ich Tee und Kekse mitgebracht. Diese habe ich am ersten Tag beim Abendbrot meiner Gastfamilie übergeben. Bei meiner Ankunft habe ich erfahren, dass ein weiterer Austauschschüler aus Spanien am nächsten Tag kommen wird. Meine Gasteltern waren sehr nett und überhaupt nicht streng. Die einzige Regel, die sie mir genannt haben war, dass ich nicht nach 23:00 Uhr duschen sollte. Ich bin am Donnerstag angekommen und dann direkt am Freitag in die Schule. Dafür musste ich mir noch eine Schuluniform kaufen, die allerdings von meiner Organisation bezahlt wurde, genauso wie alle Schulbücher. Ich hatte mein eigenes Zimmer. Dieses war sehr groß und hatte sogar noch ein eigenes Badezimmer.

Schule

Mein erster Schultag war gut, wenn auch ein wenig chaotisch. Der erste Schultag wäre eigentlich am Donnerstag gewesen. Ich war allerdings erst am Freitag da und musste deshalb selber herausfinden, wo genau ich hinmusste. Zum Glück war mein Gastbruder mit mir, der mich zu einem Lehrer gebracht hat, der für die Austauschschüler zuständig ist. Dieser hat mir dann eine kurze Einweisung und meinen Stundenplan gegeben. Die Schule ging von 8:45 bis 15:40 Uhr und ich hatte jeden Tag sechs Fächer für je eine Stunde. Es gab eine 15 minütige Pause und eine 40 minütige Mittagspause, in der wir das Schulgelände verlassen durften. Die Lehrer waren insgesamt gelassener als in Deutschland und das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler war persönlicher. Meine Mitschüler waren alle sehr nett und offen. Viele wollten sich gleich mit mir unterhalten und haben mir viele Fragen gestellt. Die Schuluniform war zunächst sehr ungewohnt. Es war zwar angenehm sich morgens keine Gedanken darüber machen zu müssen, was man anzieht, doch ich habe es schon vermisst meine eigene Kleidung anzuziehen. Gerade am Anfang war es durch die Schuluniform auch erschwert Personen zu erkennen, weil jeder genau das gleiche anhatte.

Sprache

Meine Englisch Kenntnisse waren vor dem Austausch schon sehr gut. Trotzdem war Manches am Anfang etwas schwierig zu verstehen, weil ich noch überhaupt nicht an den irischen Dialekt gewöhnt war. Große Schwierigkeiten gab es aber für mich nicht. An einem Sprachkurs oder Ähnlichem habe ich nicht teilgenommen.

Freizeit und Kultur

In meiner Freizeit habe ich viele Orte in Irland besucht. Ich bin zum Beispiel nach Westport, Castlebar, Galway und auch nach Dublin gereist. Dort bin ich meistens mit anderen Austauschschülern mit dem Bus oder Zug hin und habe mich dann mit denen umgeschaut. Eines meiner schönsten Erlebnisse dort war, als ich mit Freunden den Berg Croagh Patrick
bestiegen habe. Es war gleich im ersten Monat, als es auch noch manchmal Sonne gab und wir haben wirklich den besten Tag erwischt. Es war absolut klar und die Sonne hat gestrahlt. Der Ausblick von der Spitze war wirklich wundervoll. Die ersten paar Tage waren die einzige Zeit, wo ich wirklich Heimweh hatte. Beim Flug war man irgendwie noch zu gestresst, um sich so richtig Gedanken darüber zu machen, aber auf der Busfahrt bekam ich dann echt Heimweh. Auch in meinem neuen Zuhause angekommen, hatte ich ein paar mal Heimweh, doch das ging dann mit den Tagen vorüber. Natürlich habe ich auch danach gelegentlich nochmal darüber nachgedacht, wie schön es doch Zuhause war, aber dem konnte ich immer schnell entkommen. Von der Kultur her sind die Unterschiede nicht so groß, wie man denken könnte. Beim Essen bemerkt man direkt, dass die Iren Kartoffeln fast genauso sehr wie die Deutschen mögen. Man isst aber häufig schon sehr früh Abendbrot. Da wird dann auch fast immer richtig gekocht, während es beim Mittag meist nur ein Spiegelei, eine kleine Suppe oder Ähnliches gibt. Einmal pro Woche gab es ein richtiges irisches Frühstück mit Spiegelei, Würstchen, Bacon, Kartoffelwaffeln, Baked Beans und so weiter. Die Iren sind generell sehr offen. Es war sehr leicht Freunde zu finden und ich habe mich nicht lange fehl am Platz gefühlt.

Fazit

Ich bin extrem froh mit meiner Entscheidung, diesen Austausch gemacht zu haben. Ich bin so viel selbstständiger geworden und so viel besser darin, mich in einer neuen Umgebung zu integrieren. Ich werde alle meine Freunde hier, meine Gastfamilie und auch insgesamt die Eigenständigkeit, die ich hier habe, vermissen. Der Aufenthalt hat mich deutlich offener für neues gemacht. Ich habe beispielsweise viel neues Essen ausprobiert, obwohl ich bei so etwas davor eher vorsichtig war. Ich kann zukünftigen Austauschschülern empfehlen, die Zeit zu nutzen um viel neues auszuprobieren, zu erleben und zu lernen und sich so wenig wie möglich zurückzuhalten.